Die SND-Krankheitsbeschreibungen wurden erstellt im
SND-Projekt in Zusammenarbeit von Augenklinik Tübingen, SND-Ansprechpartnern
und SND-Projektleitung
Falls Sie Erläuterungen zu einzelnen
Fachbegriffen benötigen, finden Sie diese hier: http://www.retinascience.de/glossar/
Art der Erkrankung:
Stäbchen-Zapfen-Dystrophie
Häufigkeit in Deutschland: 1:80.000
(Schätzwert), d.h. ca. 1000 betroffene Männer in Deutschland. Die Zahl der
Überträgerinnen ist ca. 2 bis 3 mal so hoch.
Vererbung:
X-Chromosomal
-
In der Regel sind nur Männer betroffen, Frauen können als Überträgerinnen
(Konduktorinnen) milde Symptome aufweisen.
-
Der Sohn einer Konduktorin ist mit einer Wahrscheinlichkeit
von 50% ebenfalls an Chorioideremie
erkrankt und mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% augengesund. Die Tochter
einer Konduktorin ist typischerweise augengesund, jedoch ist sie mit einer
Wahrscheinlichkeit von 50 % ebenfalls Konduktorin.
-
Alle Kinder eines von Chorioideremie betroffenen Mannes sind
typischerweise augengesund, alle Töchter dieses Mannes sind Konduktorinnen.
Typischer Verlauf der
Funktionsausfälle
·
Gesichtsfeld: Netzhautdegeneration beginnt mit
Skotomen in der mittleren Peripherie und schreitet nach außen und innen hin
fort. Symptomatischer Beginn meist im ersten bis dritten Lebensjahrzehnt.
Zunehmende Gesichtsfeld-Einschränkung bis hin zum „Tunnelblick“ und auch nicht
selten zur Erblindung. Verlauf sehr unterschiedlich.
· Blendempfindlichkeit:
erhöht, zunehmende Störung der Anpassung an die Lichtverhältnisse.
· Nachtblindheit:
zunehmende Nachtsehprobleme bis zur Nachtblindheit
· Farbsehen:
anfangs keine Farbsehprobleme, häufig erst im Spätstadium auftretend,
zuerst Nachweis einer Blausinnstörung
· Sehschärfe:
lange normal, im Spätstadium auch Visusminderung bis zur Erblindung möglich
Typische augenärztliche Befunde
(Phänotyp)
· Vordere
Augenabschnitte/Refraktion: geringe Myopie
· Hintere
Augenabschnitte: beidseits in der mittleren bis äußeren Fundusperipherie
große Areale mit ausgeprägter Atrophie der Aderhaut und des Retinalen
Pigmentepithels, diese konfluieren im
Verlauf und breiten sich aus, bis die gesamte Netzhaut betroffen ist. Die
typischen „Knochenkörperchen“ sind nur vereinzelt vorhanden, es findet sich
meistens eher eine feinfleckige Pigmentierung der Netzhaut. Die Gefäße am Sehnervenkopf
sind lange unverändert. Bei sog. Konduktorinnen kann u.U. ebenfalls eine
feinfleckige Pigmentierung der Netzhaut vorhanden sein, allerdings zeigen sie
in der Regel keinerlei Funktionsstörungen des Sehens.
· Ganzfeld
Elektroretinogramm: frühzeitig im skotopischen ERG und photopischen
ERG
reduzierte Amplituden nachweisbar
· Multifokales
Elektroretinogramm: frühzeitig Zapfenantworten reduziert mit nach innen fortschreitendem Befund, im späten
Verlauf nur noch ganz zentral
Zapfenantwort nachweisbar oder ganz erloschen
· Elektrookulogramm:
frühzeitig verändert bis erloschen
· Fluoreszenzangiografie: Nachweis
der reduzierten Aderhautgefäße, wichtig zur Abgrenzung gegenüber der x-Chromosomalen Retinitis Pigmentosa
Bekannte krankheitsverursachende Genveränderungen: Mutation
im CHM-Gen (REP1)
Pathomechanismus: Die Genveränderung führt zu
einer Atrophie von Aderhaut und
Pigmentepithel
Heilungsmöglichkeiten:
Keine
Behandlungsmöglichkeiten:
Der Einsatz der bisher noch in der
Entwicklung befindlichen elektronischen Retina- Chips könnte bei Patienten mit
weit fortgeschrittener Chorioideremie wahrscheinlich möglich sein, wenn solche
Chips verfügbar werden.
Prävention:
· Eine
gesundheitsbewusste Lebensweise trägt zur Allgemeingesundheit bei, insbesondere
regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung, Vermeidung von Übergewicht
sowie Verzicht auf Nikotin und auf regelmäßigen Alkoholkonsum.
· Vorsorglich
Vermeidung starker direkter Sonnenlicht-Einwirkung sowie Abschirmung von
starker UV-Strahlung mittels Kantenfilterbrille. Neuere Studien am Mausmodell
zeigen einen möglichen positiven Effekt konsequenter UV-Abschirmung auf die
Netzhautfunktion. Diese Ergebnisse sind allerdings nicht ohne weiteres auf den
Menschen übertragbar und bedürfen weiterer Überprüfung, u.a. auch da Mäuse
nicht wie Menschen eine Makula besitzen.
· Nutzung
des Sehrestes zur aktiven Teilhabe an verschiedenen Interessens- und
Lebensbereichen. Dies sichert u.a. langfristig die optimale Weiterverarbeitung
der wahrgenommenen Sehreize.
· Vitamin A:
Einnahme möglich
· Lutein,
u.a. : nicht sinnvoll
· Anpassung
einer Kantenfilterbrille zwecks Verbesserung des Kontrastsehens. Bewährt hat
sich der Alltagsvergleich verschiedener Kantenfilterbrillen über spezialisierte
Augenoptiker, ebenso die ca. zweiwöchige Überlassung eines umfangreichen
Kantenfiltersortiments über
Patientenorganisation (z.B. Pro Retina)
· Vergrößernde
Sehhilfen (z.B. Lupen, Prismen- und Lupenbrillen, Monokulare)
· Bildschirmlesegerät
(mit optischer Vergrößerung und Falschfarben)
· Elektronische
Hilfen, z.B. optoelektronische Nachtsichtbrille, PC (mit Vergrößerung,
Farbumkehr, Falschfarben, akustischer Sprachausgabe-Unterstützung, Scanner zum
Lesen von gedruckten Texten)
· Schule/Ausbildung:
Kopien statt Overhead-Projektor (wegen Blendung), Sitzplatz in den vorderen
Reihen, tragbarer Computer (Notebook), Aufklärung der Lehrer über Erkrankung.
· Schwerbehindertenausweis
oder Blindengeld können im Einzelfall beantragt werden
· Erfahrungsaustausch
mit Gleichbetroffenen, gegenseitige Unterstützung und Aktivitäten in einer
Patienten- und Angehörigenorganisation und ggf. deren Chorioideremie-Gruppe
· Je nach
Art und Grad der Belastung und der notwendigen Krisenbewältigung ggf. Nutzung
pädagogische oder psychotherapeutische Unterstützungsangebote.
Letzte Aktualisierung: 28.2.2003